Now Bishop Pedro Aguado, former Superior General of the Piarist Order, with late Pope Francis.
Eine Mutter wandte sich schriftlich direkt an Pedro Aguado Cuesta, damals Generaloberer des Piaristenordens, um schwerwiegenden sexuellen Missbrauch ihres minderjährigen Sohnes durch einen Ordenspriester anzuzeigen. Die E-Mail, die uns heute vorliegt, benennt den mutmaßlichen Täter, schildert die in Mexiko begangenen Taten detailliert, beschreibt gravierende psychische Folgen und fordert ausdrücklich Orientierung und Gerechtigkeit.
Der zeitliche Kontext ist zentral: Die Warnung erfolgte, bevor es zu einem persönlichen Treffen kam, und zu einem Zeitpunkt, als Aguado die volle Leitungsverantwortung trug. Es handelte sich weder um ein juristisches Schreiben noch um eine ideologische Anklage, sondern um die unmittelbare Stimme einer Mutter, die nach Jahren des Nichtverstehens den Ursprung der seelischen Zerstörung ihres Sohnes erkannte.
Die namentlich identifizierte Mutter beschreibt, wie ein Priester, José Miguel Flores, in einer Phase familiärer Verletzlichkeit faktisch die Erziehungsverantwortung für ihren Sohn übernahm. Die Übergriffe blieben lange verborgen und wurden erst im therapeutischen Rahmen benannt: wiederholte Vergewaltigungen, psychische Kontrolle, Zwang sowie ein klassisches Muster des Schweigeerhalts durch materielle Zuwendungen.
Die Mutter übernimmt ausdrücklich Mitverantwortung dafür, die Anzeichen nicht früher erkannt zu haben — ein Element, das die Glaubwürdigkeit ihres Berichts stärkt. Eine Anzeige bei den staatlichen Behörden war bereits erstattet. Zudem verlangte sie die schriftliche Vorlage des Dekrets über Laisierung und Ausschluss des Priesters — ein Dokument, das bis heute nicht vorgelegt wurde.
Besonders schwer wiegt der Kontrast zwischen dieser fehlenden Dokumentation und späteren institutionellen Verlautbarungen, die den Verstorbenen als vorbildlichen Priester darstellen. Diese Diskrepanz wirft ernste Fragen zur internen Rechenschaftspflicht, Aktenführung und institutionellen Transparenz auf.
Kirchenrechtlich war ein solches Schreiben bereits 2019 eindeutig als notitia criminis zu werten, mit der Pflicht zur Einleitung einer Voruntersuchung und zu Schutzmaßnahmen. Schweigen oder Untätigkeit stellen keinen neutralen Zustand dar.
Journalistisch betrachtet ist diese E-Mail eine Primärquelle von zentraler Bedeutung. Sie belegt, dass die höchste Autorität des Ordens über Namen, Sachverhalte und die Aussagebereitschaft des Opfers informiert war. Alle späteren Entscheidungen und Unterlassungen müssen vor diesem Hintergrund bewertet werden.
Dies ist kein Angriff auf die Kirche. Es ist ein menschliches Dokument, geschrieben, um ein Kind zu schützen. Und es erinnert an eine unbequeme Wahrheit: Große Skandale beginnen selten mit Schlagzeilen — sie beginnen mit Briefen, die unbeantwortet bleiben.
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