Javier Cremades
In verschiedenen internationalen Foren präsentiert sich Javier Cremades als eine der entschiedensten Stimmen zur Verteidigung des Rechtsstaats, der Meinungsfreiheit und der unersetzlichen Rolle des Journalismus in zeitgenössischen Demokratien. In dieser Funktion tritt er als Präsident der World Jurist Association sowie als Gründer der in Madrid ansässigen Kanzlei Cremades & Calvo-Sotelo auf.
Wie diese Serie fortgesetzt wird
Diese Untersuchung erscheint als offene Serie, in der jede neue Veröffentlichung eine weitere Analyseebene zur Nutzung des Rechts als Druckinstrument gegen investigativen Journalismus hinzufügt. Die bisher veröffentlichten Beiträge sind:
1. Pressefreiheit unter gerichtlichem Druck: acht öffentliche Fragen zur Rolle von Javier Cremades und der Kanzlei Pajares
Eine erste öffentliche Befragung. Acht dokumentierte Fragen, die keine Anklage erheben, wohl aber dazu zwingen, zur Kohärenz, zur Verhältnismäßigkeit und zu den tatsächlichen Auswirkungen rechtlicher Schritte gegen einen Journalisten Stellung zu beziehen.
👉 https://corruptspanish.church/pressefreiheit-unter-juristischem-druck-acht-offentliche-fragen-zur-rolle-von-javier-cremades-und-der-kanzlei-pajares/
2. Javier Cremades, notwendiger Mitwirkender in einem kriminellen Geflecht gegen den investigativen Journalismus
Der Kontrast zwischen dem institutionellen Diskurs über den Rechtsstaat und der juristischen Praxis, die gegen jene eingesetzt wird, die Machtmissbrauch und Korruption untersuchen. Hier wird die Kluft zwischen Worten und Taten sichtbar. Dieser Beitrag.
3. Javier Cremades und die Mechanik der gerichtlichen Verfolgung des investigativen Journalismus
Eine detaillierte Analyse des Wie: Strafanzeigen, wirtschaftlicher Druck, persönliche Maßnahmen und kalkulierte Zermürbung. Keine Theorie, sondern eine erkennbare Mechanik mit realen Abschreckungseffekten.
👉 https://corruptspanish.church/javier-cremades-und-die-mechanik-der-juristischen-verfolgung-des-investigativen-journalismus-3/
Weitere Beiträge werden diesem Index hinzugefügt, sobald die Untersuchung fortschreitet.
Javier Cremades, der vorbildliche Journalismus und der Fall, der ihn widerlegt
Auf dem Internationalen Kongress der World Jurist Association in Santo Domingo (2025) betonte Cremades einen zentralen Gedanken: Ohne eine freie, rigorose und mutige Presse werde der Rechtsstaat zu einer leeren Floskel. Dieselbe Botschaft findet sich – noch deutlicher formuliert – in seiner Rede bei den Auszeichnungen des Club Internacional de Prensa, wo er den „journalistischen Anspruch auf Genauigkeit“, die Suche nach der Wahrheit und den Schutz des Informanten vor Machtinteressen hervorhob.
Das ist der öffentliche Diskurs.
Das Problem – und der Kern dieser Untersuchung – besteht darin, dass dieser Diskurs bruchlos mit einer juristischen Praxis koexistiert, die ihm frontal widerspricht.
Der Fall, der das Narrativ durchbricht
Während Javier Cremades auf internationalen Podien den rigorosen Journalismus würdigte, führte seine eigene Kanzlei – über ihre Vertretung in Saragossa, Pajares Abogados – eine strafrechtliche, wirtschaftliche und persönliche Offensive gegen einen investigativen Journalisten: Jordi Picazo, einziges spanisches Mitglied des internationalen Teams Jacques Pintor.
Hier zeigt sich eine aufschlussreiche Besonderheit, die nicht anekdotisch, sondern zutiefst symbolisch ist: Jordi Picazo ist – soweit ersichtlich – das einzige spanische Journalistenmitglied des Chartered Institute of Journalists, der ältesten Berufsorganisation von Journalisten weltweit mit Royal Charter und Sitz in London. Ein weiteres Detail verstärkt die Paradoxie: Winston Churchill, historischer Impulsgeber der internationalen Juristenbewegung, aus der später die World Jurist Association hervorging, war ebenfalls akkreditiertes Mitglied dieses Instituts. Zudem hatte ich das Privileg, als festangestellter Lehrer an jener traditionsreichen Londoner Secondary School zu unterrichten, die Churchill besuchte und die auf eine über vierhundertjährige Geschichte zurückblickt.
Mit anderen Worten: Der verfolgte Journalist gehört derselben institutionellen Tradition an wie die historische Referenzfigur des internationalen Jurismus, auf die sich Cremades’ heutiger Diskurs beruft.
Die juristische Offensive ist weder abstrakt noch rhetorisch. Sie konkretisiert sich in:
- Anträgen auf Freiheitsstrafen,
- präventiven Pfändungen und erheblichen finanziellen Forderungen,
- einstweiligen Schweigeanordnungen,
- persönlichen Einschränkungen, einschließlich des Entzugs des Reisepasses,
und dies in einem Kontext, in dem die Staatsanwaltschaft keinen Straftatbestand erkennt und den informativen Zweck der journalistischen Arbeit ausdrücklich bestätigt.
Es handelt sich somit nicht um einen theoretischen Konflikt zwischen Ehre und Meinungsfreiheit, sondern um eine intensive Nutzung des Justizapparats mit abschreckender Wirkung – in der internationalen Fachliteratur typischerweise als SLAPP bezeichnet.
Vom Prüfer von Missständen zum Ankläger des Informanten
Die Widersprüchlichkeit verschärft sich weiter durch eine objektive und unbestreitbare Tatsache:
Cremades & Calvo-Sotelo wurde von der Spanischen Bischofskonferenz mit der Untersuchung sexueller Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche beauftragt – für ein Honorar von rund 1,2 Millionen Euro.
Das bedeutet:
Dieselbe Kanzlei, die sich als Garant für Transparenz und Rechenschaftspflicht innerhalb der Kirche präsentiert,
leitet – direkt oder indirekt – gerichtliche Schritte ein, um den Journalisten zum Schweigen zu bringen, der Compliance-Versäumnisse, Vertuschungen und Machtmissbrauch innerhalb derselben Institution dokumentiert.
Das Lob der Genauigkeit … und die Negierung des Journalisten
In seiner Rede bei den Auszeichnungen des Club Internacional de Prensa betont Cremades, Journalismus müsse präzise, überprüft und verantwortungsbewusst sein. Im Verfahren gegen Picazo jedoch:
- wird seine journalistische Eigenschaft in Frage gestellt,
- wird die Nutzung eines Blogs als professionelles Instrument delegitimiert,
- wird das öffentliche Interesse der behandelten Sachverhalte auf eine angeblich „private Sphäre“ reduziert,
- wird ein präventives Schweigegebot ohne rechtskräftiges Urteil verhängt.
Das Paradox liegt offen zutage: Die journalistische Genauigkeit wird in Reden gefeiert, aber sanktioniert, wenn sie konkrete Machtstrukturen irritiert.
Die Frage, der man nicht länger ausweichen kann
Angesichts dieser Dokumente – des öffentlichen Diskurses von Cremades, seiner institutionellen Position und des tatsächlichen Handelns seines beruflichen Umfelds – ist die Frage nicht mehr rhetorisch:
Kann ein System, das den Journalisten bestraft, der Missstände untersucht, während es den Anwalt belohnt, der sie prüft, weiterhin glaubwürdig vom „Rechtsstaat“ sprechen?
Wenn die Sprache des Rechtsstaats zur Schutzbehauptung wird, muss nicht nur geprüft werden, was gesagt wird, sondern auch, wer zum Schweigen gebracht werden soll.
Yanelis Tovar. Herausgeberin
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