José Pajares, Rechtsanwalt der Kanzlei Cremades & Calvo-Sotelo, fotografiert in seinem Büro vor seiner juristischen Fachbibliothek.
Im Zentrum dieses Falls steht Jordi Picazo, investigativer Journalist und einziges in Spanien ansässiges Mitglied des internationalen Rechercheteams Jacques Pintor. Infolge seiner journalistischen Tätigkeit sieht er sich strafrechtlichen Anzeigen, außerordentlich hohen finanziellen Forderungen sowie persönlichen Einschränkungen ausgesetzt.
Diese Verfahren stehen in einem Zusammenhang, in dem die untersuchten Sachverhalte politische, institutionelle und kirchliche Auswirkungen entfaltet haben. Der Fall wirft daher Fragen auf, die über die individuelle Situation hinausgehen und sich unmittelbar an die Öffentlichkeit sowie an die Leserinnen und Leser richten.
1. Öffentliche Kohärenz
Wenn eine Kanzlei im direkten Auftrag der Spanischen Bischofskonferenz Untersuchungen zu Missbrauch, Transparenz und institutioneller Erneuerung innerhalb der katholischen Kirche durchführt, wie ist es dann gesellschaftlich zu bewerten, dass eine ihrer integrierten Kanzleien straf- und zivilrechtliche Schritte gegen einen Journalisten einleitet, der genau diese Missstände und institutionellen Fehlentwicklungen recherchiert und öffentlich macht?
2. Kenntnis, Nähe und Verantwortung
Lässt sich unter dem Gesichtspunkt beruflicher Sorgfalt ernsthaft vertreten, dass Javier Cremades nicht wusste, dass die Kanzlei Pajares — unter der Leitung ihres Eigentümers José Pajares in Zaragoza und tätig als regionaler Vertreter von Cremades & Calvo-Sotelo in Aragón — gegen einen investigativen Journalisten vorging, obwohl er mindestens drei persönliche Treffen mit diesem Journalisten hatte (eines bei einem Spaziergang, zwei in seinem beruflichen Umfeld), von ihm auf eigene Bitte hin die aus der Recherche hervorgegangenen Bücher entgegennahm und mit dem Inhalt des Falls aus erster Hand vertraut war?
Und falls dies dennoch nicht bekannt gewesen sein sollte: Was sagt dies über die internen Kontroll-, Informations- und Verantwortungsstrukturen einer Kanzlei aus, die sich öffentlich als Garantin des Rechtsstaats präsentiert?
3. Angebotene, zurückgezogene und an Bedingungen geknüpfte Hilfe
Wenn der Leiter einer international renommierten Anwaltskanzlei einem Journalisten Hilfe mit Worten wie „Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid“ anbietet (Javier Cremades gegenüber Jordi Picazo im Zusammenhang mit der von Cremades’ Partner in Zaragoza geführten Klage gegen Picazo) und später erklärt „Ich kann dir nicht helfen“, wobei jede mögliche Lösung davon abhängig gemacht wird, dass der Journalist seine Berichterstattung über einen Fall mutmaßlicher Compliance-Mängel innerhalb der katholischen Kirche einstellt,
handelt es sich dann um eine legitime Bewältigung eines komplexen Konflikts — oder zumindest aus der Perspektive einer vernünftigen außenstehenden Beobachterin bzw. eines vernünftigen Beobachters um ein Anzeichen von Druck, das sich nur schwer mit der öffentlichen Verteidigung der Grundfreiheiten vereinbaren lässt, die dieselbe Kanzlei für sich in Anspruch nimmt?
4. Verhältnismäßigkeit, Zwang und tatsächliche Wirkung
Wenn von einem Journalisten Sicherheitsleistungen verlangt werden, Vermögenspfändungen, Geldstrafen und Schadensersatzforderungen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro drohen und ihm der Reisepass entzogen oder dessen Verlängerung faktisch verhindert wird, kann dies aus demokratischer Sicht als verhältnismäßig gelten? Oder ist es legitim zu fragen, ob hier ein Instrument persönlichen und wirtschaftlichen Zwangs eingesetzt wird, das eine abschreckende Wirkung auf die Freiheit journalistischer Berichterstattung entfaltet?
5. Staatsanwaltschaft und fortgesetzte Strafverfolgung
Wenn die Staatsanwaltschaft erklärt, keinen Straftatbestand zu erkennen, und den informativen Zweck der beruflichen Tätigkeit von Jordi Picazo als international akkreditiertem Journalisten anerkennt, wie soll die Öffentlichkeit dann die fortdauernden Forderungen nach Haftstrafen und wirtschaftlicher Existenzvernichtung des Berichterstatters einordnen?
Schutz von Rechten — oder exemplarische Bestrafung?
6. Erschwerender Kontext, Finanzierung und öffentliches Interesse
Wenn die untersuchten Vorgänge nicht rein privater Natur sind, sondern in einem politischen Skandal mündeten, der die diskretionäre Ernennung eines Priesters — aufgrund persönlicher Beziehungen — zu einem hohen öffentlichen Amt betrifft;
wenn dieser Priester im relevanten Zeitraum mutmaßlich seine seelsorgerischen Pflichten vernachlässigte, weiterhin finanziell von seiner Diözese getragen wurde und trotz innerkirchlicher Einwände ordiniert wurde;
und wenn derselbe Priester eine erstklassige Kanzlei beauftragt, um straf- und zivilrechtlich gegen den Journalisten vorzugehen, der diese Vorgänge untersucht — verleiht dieser Gesamtzusammenhang dem Fall nicht eine objektive öffentliche Relevanz, stärkt das öffentliche Informationsinteresse und gebietet besondere Zurückhaltung bei jeder gerichtlichen Maßnahme, die eine hemmende Wirkung auf investigativen Journalismus entfalten könnte?
7. Wer finanziert die Verteidigung?
Angesichts der Tatsache, dass ein Priester ein begrenztes und reguliertes Einkommen bezieht, ist es legitim, dass sich die Öffentlichkeit — ohne Vorverurteilung — fragt, aus welchen Quellen die finanziellen Mittel stammen, um eine kostenintensive rechtliche Strategie zu finanzieren, die von derselben Kanzlei geführt wird, welche von der Spanischen Bischofskonferenz mit der Untersuchung sexuellen Missbrauchs durch Kleriker beauftragt wurde, während das Verfahren gegen einen Journalisten inzwischen seit vier Jahren andauert.
Und lässt sich mit vollständiger Transparenz ausschließen, dass kirchliche Mittel — direkt oder indirekt — zur Finanzierung gerichtlicher Schritte verwendet wurden, die darauf abzielen, eine Recherche von unbestreitbarem öffentlichem Interesse zum Schweigen zu bringen, welche kontroverse bischöfliche Entscheidungen und mögliche Verstöße gegen kirchenrechtliche Normen betrifft?
8. Abschließende Frage an die Leserinnen und Leser
Angesichts all dessen — der von der Bischofskonferenz beauftragten Untersuchung, der persönlichen Nähe zwischen Anwalt und Journalist, der geltend gemachten Summen, der beantragten Haftstrafen, des Entzugs des Reisepasses, des fehlenden strafrechtlichen Vorwurfs seitens der Staatsanwaltschaft und der politischen Tragweite des Falls — welche Botschaft erhält heute jede Journalistin und jeder Journalist, der diese Geschichte von außen betrachtet?
Dass sorgfältige Recherche schützt — oder dass sie einen persönlichen und beruflichen Preis haben kann, der mit den Grundprinzipien einer Demokratie kaum vereinbar ist?
Yanelis Tovar. Editor
Wie man diese Serie verfolgt
Diese Recherche erscheint als offene Serie, in der jede Veröffentlichung eine weitere Analyseebene zum Einsatz des Rechts als Druckmittel gegen den investigativen Journalismus hinzufügt. Die bisher veröffentlichten Teile sind:
1. Pressefreiheit unter juristischem Druck: sieben öffentliche Fragen zur Rolle von Javier Cremades und der Kanzlei Pajares
Eine erste öffentliche Intervention. Sieben dokumentierte Fragen, die nicht anklagen, aber dazu zwingen, Stellung zu beziehen — zur Kohärenz, zur Verhältnismäßigkeit und zu den realen Auswirkungen juristischer Maßnahmen gegen einen Journalisten.
2. Javier Cremades, die World Jurist Association, Santo Domingo und die große Lüge
Der Kontrast zwischen institutioneller Rhetorik über den Rechtsstaat und der juristischen Praxis gegenüber einem Journalisten, der Missstände und Machtmissbrauch untersucht.
👉 https://corruptspanish.church/javier-cremades-die-world-jurist-association-santo-domingo-und-die-grose-luge/
3. Javier Cremades und die Mechanik der juristischen Verfolgung des investigativen Journalismus
Eine detaillierte Analyse des Wie: Strafanzeigen, wirtschaftlicher Druck, persönliche Maßnahmen und kalkulierte Zermürbung. Keine Theorie, sondern eine erkennbare Mechanik mit realen abschreckenden Effekten.
Weitere Teile werden diesem Index hinzugefügt, sobald die Recherche fortschreitet.
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Sollte eine im Artikel enthaltene Tatsachenbehauptung als unzutreffend angesehen werden, kann die Redaktion kontaktiert werden, um das Recht auf Gegendarstellung wahrzunehmen oder eine Klarstellung beziehungsweise faktische Korrektur zu beantragen — im Einklang mit journalistischen Standards.
Die Redaktion steht ebenfalls für Interviews zur Verfügung; dies gilt — unter Wahrung angemessener Schutzmaßnahmen — auch für einige der betroffenen Personen.
Hinweis: Für weiterführende Informationen, Dokumente und Verlinkungen wird empfohlen, die spanische Originalfassung dieses Artikels heranzuziehen.
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